Restaurierung - Bertram Streicher

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Kath. Filialkirche St. Georg (Ähndl), Murnau

Restaurierung der Deckengemälde von Augustin Bernhardt 1740

Murnau - Bleibad

Restaurierung des großen Deckenbildes, der Bilder an der Emporenbrüstung, der Draperiemalerei hinter dem Altar und der Felderungen unter der Emporenbrüstung. Bei den Bilder wurde die Festigung der schollenden und durch Salze geschädigten Malschicht durchggeführt, die Reinigung der Oberfläche mit Latexschwamm, Abnahme der Fliegenexkremente, Abnahme der Salze mittels Kompressen, Abnahme der weißlichen Krusten auf der Malerei, Festigung des Putzes, Kitten von Rissen, Retusche von Kittungen und Malschichtfehlstellen, malerische Ergänzung von alten qualitätlosen Übermalungen;

In großen Teilen ist die Oberfläche sehr gut erhalten und augenscheinlich unverletzt. Trotz erlittener Bearbeitung sind großflächig noch feinste scharfe Sandkörnchen des Malputzes erhalten und nicht abgerissen, wie beispielsweise durch Abwaschen.

Die im Sommer 2006 sichtbaren Schäden (Putz- und Malschichtfehlstellen) haben sich über den Zeitraum seit der letzten Bearbeitung Ende der 1940er, Anfang 1950er Jahre, also von ca. 56 Jahren entwickelt. Als Hauptursachen werden Bauschäden sowie das Bauklima angenommen.

arrow Kurzbeschreibung der Fresken und Datierung
Ursprünge gehen bis ins 8.Jh. zurück, legendär vom hl. Magnus gegründet. Deckenfresken des Murnauer Malers Augustin Bernhardt, 1740, Martyrium des hl. Georg. (Dehio, Bayern IV: München und Oberbayern, S.1003f)
Hauptbild: Enthauptung des hl. Georg
Emporenbilder: Erste Marter (Kerker), Zweite Marter (Radmarter), Dritte Marter (Bleibad)
Medallions: Nord - Vierte Marter (Nagel- und Eisenpantoffelmarter), Süd - Fünfte Marter (Geißelung mit Knüppeln und Peitschen)
W: Die Wette des Athanasius gegen Georg, SW: Erweckung des Toten, NW: Enthauptung des Athanasius, NO: Sturz der heidnischen Götter, SO:Bekenntnis der Kaiserin Alexandra, O: Stoffbaldachin
arrow Werktechnik
Murnau - Marter
Murnau - Putzaufbau
Murnau - Putzaufbau
Nach Erstellung der hölzernen Putzträgerkonstruktion erfolgten in Reihenfolge:
1.Verputz der gesamten Deckenfläche, die Hohlkehlen bis zur Gesimsoberseite eingeschlossen, mit gleichartigem Grundputz-Mörtel (weiche bräunliche Bindemittelmatrix, Sand- und Kieszuschläge)
2.Ansetzen des Stuckprofils im Deckenspiegel (hell braune harte Bindemittelmatrix, Sand- und Kieszuschläge, Feinzug aus feinem Kalkmörtel mit weißer harter Bindemittelmatrix)
3.Verputz (und Bemalung) des Deckenspiegels bis an das Stuckprofil mit Kalkmörtel (Freskomörtel mit weiser harter Bindemittelmatrix und Sandzuschlag)
4.Verputz (und Bemalung mit den roten und grünen Marmoren) der Hohlkehlen mit einer Kalkglätte
5.Anbringen (und Bemalung) der plastischen Elemente mit (Fresko-)Kalkmörtel (weiße harte Bindemittelmatrix, feiner Sandzuschlag)
6. teils zuvor, teils danach Anbringen der Freskoputzes für die Balustradenmalerei
Es liegen also minimal zwei Putzlagen mit Grund und Malputz (Deckenspiegel, Hohlkehle mit den Marmoren, Emporenbilder) übereinander mit 3-3,5 cm Gesamtdicke, maximal vier Putzlagen in den Bereichen der Eckfiguren (Grundputz, Kalkschlämme, voluminöser armierter Kalkputz mit Kohlestücken, Freskoputz, dazwischen teils noch Abschnitte des Stuckprofils) mit 10-11cm Gesamtdicke.
Die Malerei wurde in Mischtechnik ausgeführt: Fresko-, Kalksecco-, und Seccotechnik (organisches Bindemittel?); als Farbmittel wurden werkzeitlich gängige Farbmittel verwendet: hauptsächlich Erdpigmente – gelbe, rote, braune, grüne -, Kohle, ein farbintensives dunkles blaues Farbmittel (vermutlich grobkörnige farbintensive Smalte), sehr farbintensives dunkles Rot (Ziegelrot?), Kalkweiß und ein orangerotes Farbmittel als Untermalung des Altarbaldachins (Mennige?)
In den Ton-in-Ton-Malerei der Szenen 8-11, durch die mittig Tagwerkgrenzen gehen, liegt eine Kalkschlämme, auf bzw. in die mit vermutlich organischen Bindemittel gemalt wurde. Oberfläche teils glänzend. Schraffuren zur Modellierung hauptsächlich von Inkarnaten.
arrow Maßnahmen
Murnau - Georg
Murnau - Georg
Murnau - Salzschleier
Murnau - Salzschleier
- Vorfestigung: mit Klucel L 2%Ethanol und Spritze bei stark gefährdeten Schollen oder bei bindungsarmen Malschichten mit Klucel G 0,5%Ethanol aufgesprüht
- Oberflächenreinigung: Entfernung der Spinnweben bzw. des Oberflächenstaubs in stabilen Bereichen mit weichen Latex-Trockenschwämmen, sonst mit Pinsel und/oder mit Mikroporenschwamm und warmem destilliertem Wasser. Entfernung der Fliegenexkremente mit Wasserstoffperoxid 15%ig(aq)
- Weitgehende Dünnung/Reduzierung von Malschichtüberputzungen, Mörtelspritzern auf originärer Malschicht mit Skalpell/Schwämmchen
- teilweise Dünnung/Reduzierung von bindungsarmen Übermalungen auf intakter Malschicht mit Schwämmchen und destilliertem Wasser
- Salzminderung: trocken-mechanische Abnahme von Salzkrusten auf putzsichtigen Bereichen so weit möglich; feuchte Salzminderung durch punktuelle Verflüssigung und Spülung mit warmem destilliertem Wasser und sofortiger Aufnahme des Wassers mit Mikroporenschwamm-Zuschnitten; Behandlung von Teilbereichen mit silikatischen Neutralkompressen
- Malschichtfestigung:
a) pudernde / bindungsarme Malschichten mit Tylose MH 300 0,5% in Pinselapplikation
b) stark pudernde Übermalungen: sprühend gefestigt mit Klucel GF/LF 0,5%Ethanol
Putzfixierung und Putzfestigung:
a) punktuelle Hinterfüllung und Fixierung von klappernden Putzschollen mit PLM-A mit Kalkmehl-Zuschlag abgemagert.
b) Hinterfüllen der nach der Altkittungsentfernung offenen und zugänglichen Hohlräume
c) abgehenden Malschichtschollen und abgelöste dünnste Malputz-Tagwerk-Überscheibungen nach Schadsalzminderung punktuell fixieren mit Tylose MH 300 2%(aq), danach Hinterfüllung mit abgemagerter Kalkmilch und / oder strukturelle Verfestigung mit wässriger Kieselsäuredispersion
d) strukturelle Verfestigung bröseliger Putzbereiche von zuvor salzvermindernd behandelter Bereiche mit Kieselsäuredispersion Ludox PW30 in mehreren Durchgängen
- Retusche: Fehlstellen in den figürlichen Bereichen in feiner Strichretuschetechnik (Trockenpigmente in Tylose/Kalksinterwasser)
- Rekonstruktionen großer Fehlbereiche mit Trockenpigment in Tylose/Kalksinterwassser