Restaurierung - Bertram Streicher

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Kath. Pfarrkirche St. Stephan, Kleinkemnat

Restaurierung der Deckengemälde um 1750

arrow Kurzbeschreibung der Fresken und Datierung
Umfassungsmauern des Chors 15. Jh. 1726 Neubau von Langhaus und Sakristei; gleichzeitig Erneuerung des Chorgewölbes. 1883 nach Blitzschlag Wiederaufbau des Turms. Fresken Mitte 18. Jh., im 19. Jh. übergangen. Chor: Bekehrung des Saulus, Glorie des Kirchenpatrons, seitlich Emblebe, Langhaus: Steinigung des hl. Stephanus, seitlich Fides, Spes, Amor Dei und Fortitudo; untere Emporenbrüstung: Ungläubiger Thomas, seitlich Ecclesia und Synagoge. (Dehio, Bayern III: Schwaben, S.573)
arrow Situation vor der Restaurierung
Kleinkemnat - Fortitudo
Kleinkemnat - Fortitudo
Die Malereien zeigen im Allgemeinen vielfältige Schäden und sind in der Vergangenheit stark überarbeitet worden. Der Putz hat an vielen Stellen die Anbindung zum Träger verloren. Vor allem das Deckenbild im Chor ist stark beeinträchtigt und hat die Stabilität verloren. Teile des Putzes waren wahrscheinlich schon zu früheren Zeiten durch eindringende Feuchtigkeit degeneriert und wurden daher ausgebessert. Auch heute noch zeigen sich die Auswirkungen anhand von Salzausblühungen und Malschichtabhebungen. Durch einige frühere Restaurierungsmaßnahmen sind weitere Probleme hinzugekommen.
Bei der Freilegung wurden viele Partien der Malereien beschädigt. Die frühere Verwendung von Gipsmörtel stellt sich als konservatorisches Problem dar, da Gips eine Quelle für lösliche Salze ist und die Kittungen keine Stabilität aufweisen. Ästhetisch beeinträchtigt sind die Malereien vor allem durch die Übermalungen, die künstlerisch nicht gelungenen Überarbeitungen der letzten Restaurierung 1979/80 und verfärbten Retuschen. Außerdem wurde 1979/80 ein Überzug aufgebracht, der stark glänzt und eine Wasserdampfsperre darstellt.








arrow Restaurierungsziel
Kleinkemnat - Fides
Kleinkemnat - Fides
Bedingte Entrestaurierung (Entfernung der Gipskittungen, Gipsschlämmen und Gipsplomben,Entfernung unsachgemäßer Kalkkittungen, Entfernung der Überfassungen) bei Rücksichtnahme auf den historischen Bestand. Ist eine Überarbeitung nicht ohne Schädigung der Erstfassung zu entfernen, wird diese belassen und durch vorsichtige Retuschen optisch eingepasst. Retusche kleinerer Fehlstellen Freskale Neufassung großer Fehlstellen (z. B. entnommene Gipsplomben)
Neufassung von B3 Spes (kein originaler Bestand), da rezente Fassung nicht intakt. Belassen der Überarbeitung beim Kartuschenbild A4 Surdi audiunt, da unter der Überfassung wenig originale Fassung zu erwarten ist. Aber Malerische Überarbeitung von schwach gemalten Partien (Inkarnate und Kleidung)
Belassen der großflächigen Neufassung 1883 der östlichen Bildhälfte innerhalb des Deckenbildes B Das Martyrium des Hl. Stephanus. Die Überarbeitungen an diesem Bild an der westlichen Bildhälfte von 1979/80 werden aber zugunsten der vorhandenen Erstfassung von 1750 abgenommen. Übermalung von intakten Erstfassungen werden belassen, sofern ein optisches Zusammenbringen der freigelegten Erstfassung mit der Überfassung nicht möglich erscheint (z. B. Das Gewand des Hl. Stephanus ist im Brustbereich in der Erstfassung erhalten. Die Neufassung des restlichen Gewandes ist farblich als auch in der Haltung der Arme nicht mit der überfassten Erstfassung zusammen zu bringen.)
arrow Maßnahmen
Kleinkemnat - Amor dei
Kleinkemnat - Amor dei
- Bockshaut: Auffüllen von Hohlstellen vom Dachboden aus mit Trasskalk (Otterbeiner)
- Hohlstellenverfüllung mit PLM-A
- Malschichtfestigung mit Tylose
- Trockenreinigung mit Wishabschwamm
- Feuchtreinigung mit Wasserdampf
- Entfernung der Gipsschlämme mit Skalpell, Anweichen mit Ammoniumcarbonatkompresse
- Japanpapierkompressen mit Wasser getränkt zur Entsalzung
- Abnahme des gelblichen Überzugs und der Temperaüberfassung mit Lösemittelgel SG 94 der Fa.Scheidel
- Abnahme des transparenten Überzugs mit Lösemittelgel SG 94 der Fa. Scheidel
- Entfernung der Altkittungen mit Skalpell, vorheriges Anweichen durch Wasserkompressen
- Entfernung der Verschraubungen
- Entfernung der großflächigen Gipskittungen und –schlämmen (außer der Kittung für das Lüftungsloch)
- Putzfestigung (Ausbrüche, Risse) mit Syton X 30
- Kittung mit Kalkmörtel
- Retusche in Kalktechnik
- Malerische Ergänzung in Kalktechnik