Restaurierung - Bertram Streicher

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Schloss Höchstädt an der Donau

Freilegung von Wandmalereien in den beiden Rundtürmen, klassizistische Malereien um 1790

arrow Kurzbeschreibung des Schlosses
Schloss1589ff. einheitlicher Neubau im Auftrag Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg anstelle der mittelalterlichen Burg; 1616-1632 Witwensitz der Herzogin Anna. 1789 wird die Brücke durch einen Damm ersetzt. 1879-1928 Amtsgericht und Finanzamt; 1911 Einbau des großes Treppenhauses in die ehem. Dürnitz, bez. am südlichen Hauptportal. 1946-1967 Altersheim. Restaurierung 1980ff.
Imposante, um einen fast quadratischen Hof angeordnete Vierflügelanlage zu drei Geschossen mit vier runden Ecktürmen. In der Mitte des Westflügels nach außen als mächtiger Dachreiter wirkender ehem. Bergfried der Burg; quadratischer Turm in geglätteten Quadern, die beiden obersten Geschosse oktonal mit welscher Haube um 1590. - Erstes Obergeschoss. Räume des West- und Nordflügels mit geometrischen Stukkaturen der Erbauungszeit in der Art von Kassettendecken. Im Gang des östlichen und südlichen Flügels Rahmenstuck; im nordöstlichen Turm und in einem Raum des Ostflügels Bandel- und Gitterwerkstukkaturen um 1740/50.(nach Dehio, Bayern III: Schwaben, S.452)
arrow Situation vor Beginn der Arbeiten und Konzept
SchlossDie bearbeiteten Räume liegen im ersten Obergeschoss. Es handelt sich um die Räume 101, 102, 109, 111, 112, 113, 114 und 131. In den Räumen 101, 102, 110 und 111 wurden Wandmalereien freigelegt, konserviert und retuschiert. (siehe dazu die rotgefärbten Bereiche).
Bei Raum 101 und 110 handelt es sich um die klassizistische Ausmalung der Rundtürme. Im Raum 102 wurde ein Teilbereich der klassizistischen Raumfassung an der Ostwand freigelegt. Im Raum 111 wurde eine Abtrittnische aus Zeit der Herzogin Anna um 1610 freigelegt.
In den übrigen Räumen wurden die Wand- und Deckenfassungen in einem blaugrauen bis warmgrauen Farbton in einer Leimfarbentechnik gefasst, gemäß Vorgabe.
arrow Abtrittnische der Herzoginwitwe in Raum 111
SchlossDie südliche Fensternische in Raum 111 wurde historisch als Abtritt der Herzoginwitwe genutzt und weist eine einfache Renaissanceausmalung auf.
Die beiden lose aufliegenden Putzschichten wurden entfernt. Anschließend die Hacklöcher mit Syton X30 (1:10 in Wasser) strukturell gefestigt.
Die Hacklöcher und Fehlstellen wurden mit einem Kalkmörtel verputzt und mit einer dünnen Kalkmilch versehen, so dass sie sich in den hellen Partien gut einfügten.
Die Retusche mit Trockenpigmenten in Kalksinterwasser und Kalkmilch wurde zunächst zurückhaltend angelegt und dann schrittweise zu einem gut ablesbaren Gesamtbild verdichtet.
Für die Ausstellung soll nach den Befunden im Mauerwerk die Holzverkleidung rekonstruiert werden.
arrow Klassizistische Ausmalung im nordwestlichen Rundturm (101) und Teilfreilegung 102
Freilegung und Problematik
SchlossFreilegungenRetuscheRetuschemusterDie klassizistischen Malereien der Wände a, c und d in Raum 101 wurden vor dem Auftrag der neuen monochromen Fassung mit einer dünnen Kalktünche versehen, um einen tragenden Untergrund zu gewährleisten.
Im Durchgangsbogen und auf der Wand b, so wie der Fensternische ab wurde die erste Kalkung dicker aufgetragen.
Die dünne Kalktünche lässt sich nur schwer mit Pinseln und Skalpell entfernen, während die dickere, gut mit dem Skalpell zu entfernen ist. In Raum 102 findet sich die dünne Kalktünche nicht
Stabilere Putzbereiche ließen sich in beiden Räumen mit dem Mikrostrahlgerät und feinem Spätzlemehl und Holzmehl freilegen.
Faktoren, die die Freilegung erschweren:
- Viele Putzlagen, die jede in sich weich und schwach gebunden ist. Untereinander gibt es in vielen Bereichen Ablösungen, teilweise sogar in mehreren Schichten gleichzeitig.
- weicher und schwach gebundener Putz: verträgt wenig mechanische Belastung; Bereiche, die historisch schon reduziert waren sind besonders empfindlich
- Maltechnik: Landschaftsdarstellungen nur teilfreskal und in vielen Schichten ausgeführt, Schichtaufbau ähnelt der Tafelmalerei; daher sind die einzelnen Farbschichten untereinander teilweise schlecht gebunden. Die obersten Farbschichten können sich bei der Freilegung mit den Überfassungspaketen ablösen.
Die Freilegungsproben 1997 (roter Rahmen im Bild) ließen ein schlechteres Ergebnis vermuten. Nach erneuten Freilegungsproben, wurde sich für eine Freilegung ausgesprochen.
Retusche
Nach der Festigung mit Syton und Calxnova sowie Kittung mit Kalkmörtel wurden verschiedene Retuscheansätze erwogen.
Ein erstes Muster sah nur eine schwach farbige, wässrige Lasur der Fehlstellen vor.
Da das Ergebnis unbefriedigend erschien, wurde als nächster Schritt eine zurückhaltende Retusche der Fehlstellen im Lokalton angestrebt. (roter Rahmen)
Nur "weiße" Ausbrüche ohne jeden Farbrest wurden farbig angepasst.
Verlorengegangene abschließende Farbschichten wurden nicht ergänzt, wenn die Untermalung noch erhalten war. (z.B. Perlstab nicht ergänzt)
Das Bild erscheint nun klarer und ist besser ablesbar.
arrow Klassizististische Ausmalung im nordöstlichen Rundturm (110)
SchlossFreilegungen
Freilegung und Problematik
Die klassizistische Raumfassung an den Wandflächen wurde im 19.Jh. mit einer sehr stabilen dünnen gelben Kalktünche versehen, bevor weitere zum Teil leimgebundene Farbfassungen in jüngerer Zeit aufgetragen wurden. Eine mechanische Freilegung mit Skalpell führte bei der gelben dünnen Schicht nur mit größtem Zeitaufwand zu einem Erfolg. Bei Strahlproben konnte mit Hilfe von Weichholzmehl der Verlust minimiert werden, dazu wurden die aufliegenden Fassungen vorher bis auf die dünne gelbe Schicht mechanisch abgenommen.
Ein Feinstrahlen mit dem weichen Holzmehl führte zu einem erstklassigen Freilegeergebnis. Das Strahlen mußte mit äußerster Konzentration und unterschiedlichem Abstand erfolgen um eine Schädigung der klassizistischen Fassung auszuschließen. Kleine Überreste konnten anschließend mit Freilegepinsel und Skalpell problemlos entfernt werden.
Festigung und Kittung
Die Gipskittungen und Dübel wurden entfernt. Hohlstellen wurden mit Calxnova hinterspritzt. Dünnschichtige Putzablösungen wurden mit Syton W30 (1:8 in Wasser) gefestigt, mürbe Putzstrukturen der Ausbrüche mit Syton X30 (1:10 in Wasser).
Die Kittungen erfolgten mit Kalkmörtel, wobei sie in der Oberflächenstruktur dem Original entsprechend angeglichen wurden. Die beiden großen Fehlstellen an der Wand a und Fensterleibung daa wurden mit Kalkmörtel auf Niveau geschlossen, wobei die Putzoberfläche im nassen Zustand mit der Kelle abgearbeitet wurde. Die Sandkörnung und Sandvarietät wurde bei einer Bemusterung festgelegt.
Retusche
Die Fehlstellen und zahlreichen Kittungen wurden mit Pigment und Kalkmilch, Kalksinterwasser bzw. mit Tylosezusatz retuschiert. Die Retusche wurde entsprechend der Fehlstellen punktuell aufgetragen. Reduzierungen im Original, das heißt maltechnische Verluste obenaufliegender Schichten wurden mit der Retusche nicht mehr nachgeahmt, sondern nur der Grundton wieder geschlossen. Die Sockelzone wurde entsprechend der Befundstellen neu in Kalktechnik gemalt, wobei zum Schluss noch mit einer Lasur die Farbgebung aufgehellt und gemildert wurde. Beim Gehänge wurden die Fehlstellen in den dunklen Konturverstärkungen nicht mehr zusätzlich retuschiert. Im Deckenbereich wurden stark auffallende Kittungen mit einer Kalktünche eingebunden. Die Deckenrücklage und die Stuckierung wurde also nicht flächig übergangen.
arrow Impressionen
Raum 101
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Durchgang 101-102
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Raum 102
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Raum 110
Höchstädt-110
Höchstädt-110
Höchstädt-110
Details 110
Höchstädt-Venus, Amor und MarsHöchstädt-Leda mit dem Schwan
Höchstädt-VenusHöchstädt-Gebinde
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