Restaurierung - Bertram Streicher

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Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, Dillingen an der Donau

Restaurierung der Deckengemälde von Christoph Thomas Scheffler 1739

arrow Kurzbeschreibung der Fresken und Datierung
1736 Neubau der Klosterkirche nach Brand durch Franz Kleinhaus nach Plänen des Füssener Baumeisters Johann Georg Fischer (Weihe 1740). Freskierung durch Christoph Thomas Scheffler unter Beteiligung seines Bruders Felix Anton. Darstellungen im Chor: Pfingstfest, in den Zwickeln Kardinaltugenden, Abseiten mit Tod und Krönung Mariä. Im Langhaus: Szenen aus der Klostergeschichte, östlich Gründung des Klosters, nördlich Klosterbrand, westlich Wiederaufbau des Klosters, südlich Einsetzung des Allerheiligsten. Gewölbezwickel im Langhaus mit Darstellungen aus dem Marienleben: Heimsuchung Mariens, Mariä Tempelgang, Verkündigung an Anna und Joachim, Geburt Mariens, Mariä Verkündigung, Tempelgang Jesu. (nach Dehio, Bayern III: Schwaben, S.250)
arrow Situation und Konzept
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Dillingen - Malschicht
Dillingen - Malschicht
Die Fresken wurden 1737 von Christoph Thomas Scheffler unter Mithilfe von seinem Bruder Felix Anton gemalt. Die Fresken wurden mehrmals restauriert, zuletzt 1962 durch A. Dasser aus Pfronten. 2006 wurde eine Voruntersuchung der Gemälde mit Musterflächen zur Restaurierung durch Dipl. Restaurator Markus Binapfl durchgeführt.
Der Zustand der Bilder wird allgemein wie folgt beschrieben: "Sowohl die Fresken des Chores als auch die Fresken des Langhauses weisen eine überwiegend gute Putzhaftung auf. Die Malschicht hingegen befindet sich insbesondere an den Chorfresken in einem sehr schlechten Zustand. Neben einer starken Verschmutzung sind zahlreiche pudernde und schollenförmige Ablösungen vorhanden."
"Neben stark pudernden Zonen, hebt sich die Malschicht in großen Schollen vom Untergrund. Auffallend ist, dass alle gelb pigmentierten Flächen eine sehr schlechte Bindung zeigen."(LV S.9)
Das Restaurierungskonzept sah nach der Festigung der gefährdeten Malschichtpartien eine Feuchtreinigung mit dem Mikrodampfstrahlgerät vor, wobei durch einem Auftrag einer gesättigten AC-Lösung (mit Pinsel auftragen und 5-minütiger Einwirkzeit) eine geringere Intensität und Belastung bei der Reinigung möglich ist.
Die größte Problematik liegt somit im Erzielen eines gleichmäßigen Reinigungsgrades bei sehr unterschiedlichen Zuständen der Malschicht. Die erfordert eine sensible und sukzessive Vorgehensweise.
Durch Abnahme aller Überarbeitungen und die Schäden im Original müssen an den Fresken zahlreiche Zonen (Brokat, Kapitelle, Konsolen, Draperien sowie Stufen und Köpfe beim Chorbild A und im Langhaus D) malerisch ergänzt werden.
arrow Zur Maltechnik Schefflers
Dillingen - Ritzung
Dillingen - Ritzung
Dillingen - Gesicht
Der Malputz wurde in mehreren Tagwerken aufgetragen. Durch sorgfältiges Verreiben der beiden Putzpartien, sowie deren genaue Farbanpassung sind diese nur noch schwer aus zu machen. Die Tagwerksgrenzen verlaufen entlang der durch die Malerei vorgegebenen Grenzen (Figurengruppen etc.). Daher konnte keine Reihenfolge der Putzpartien festlegt werden, jedoch liegt die Vermutung nahe, dass Scheffler von der Mitte des Freskos nach Aussen gearbeitet hat.
Im Malputz des Langhauses und des Chores wurde eine Quadratur eingeritzt. Es handelt sich um ein Raster von circa 90 cm x 90 cm, wobei die Maße bis zu zwei Zentimetern variieren. Die Ritzungen wurden nicht sehr tief in den Putz eingebracht und setzen im Bereich der Figuren teilweise aus. Sowohl bei der Übertragung der Architektur sowie der figuralen Darstellungen verwendete Scheffler Einritzungen, durch die die Positionen der einzelnen Bildbestandteile im Putz angegeben wurden.
Die Ritzungen der Architekturelemente zu denen hier auch die Weltkugel und der Strahlenkranz gezählt werden, sind sehr detailliert. Tiefe und Geradlinigkeit deuten auf die Verwendung von Hilfsmitteln, wie Lineal und Zirkel, hin. Da sich stellenweise Aufwölbungen an den Ritzungsrändern finden und es immer wieder zu Neuansätzen kommt, lässt sich eine Verwendung von Kartons ausschließen.
Zur Ausführung der Malerei wurden von Scheffler Erdpigmente sowie Kalk und Smalte verwendet. Der Farbauftrag erfolgte mehrschichtig. Es muss jedoch zwischen dem Farbauftrag von dunklen Schattentönen und den Lichtern unterschieden werden. Während die dunkleren Töne dünn lasieren aufgetragen wurden setzte Scheffler die Lichter pastos durch mit Kalk ausgemischte Farben auf. Die Pinselspur zeichnet sich hier deutlich ab.
arrow Maßnahmen
Dillingen - Gottvater VZ
Dillingen - Gottvater ZZ
Dillingen - Gottvater EZ
- Tockenreinigung: Abnahme von losem Staub und Spinnweben mit weichem Pinsel und Staubsauger, ockerfarbene und vergoldete Bereiche und bestimmte Rottöne können nicht gereinigt werden, da die Oberfläche so fragil ist. Eine Vorfestigung ist in diesen Bereichen nötig. Die stabilen Bereiche wurden mit Wishab weich gereinigt.
Vorfestigung: Malschichtschollen und Mordantvergoldung wurden mit Syton W 30, 8-10% in Wasser gefestigt. Pudernde, unterbundene Malschichten mussten mit Syton X 30, 10% in Wasser vorgefestigt werden.
- Feuchtreinigung: Behandlung mit 30%igem Ammoniumcarbonat. Vornässen der Oberfläche mit Wasser, damit das AC nicht zu tief eindringt, sondern mit dem Schmutz und den Ablagerungen auf der Oberfläche reagiert. Aufstreichen von AC 30% in Wasser und Einmassieren der Lösung auf der Oberfläche mit Pinsel. Es kommt zur Schaumbildung, die Verschmutzung löst sich. Abreinigung mit Wasserdampf und Blitzfixschwamm.
- Reinigung der kreidenden Partien: Nach der Festigung mit Syton W30 und X30 wurde der Schmutz mit einem feuchtem Blitzfixschwamm abgetupft. Stabilere Stellen konnten mit einem schwachen Dampfgerät behandelt werden.
- Entfernung bzw. Reduzierung von unpasenden Altretuschen: Bei den Altretuschen lassen sich zwei Typen unterscheiden
a) Das eine Material ist sehr matt, vermutlich mit Füllstoff versehen und nahezu unlösbar mit den getesteten Lösemitteln. Es ist relativ pastos aufgestrichen. Diese Retusche ist beispielsweise für mehrere Stellen im Himmel verwendet worden (z.B. Öffnung für Lampenkabel)
b) Das zweite Material wurde für die Retusche der Risse verwendet. Es hat etwas mehr Brillianz und wurde dünner appliziert als a). Es lässt sich mit einer Mischung aus Wasser und Ethanol (50 : 50) mäßig bis gut lösen.
- Kittung: Gipshaltige und lose Altkittungen wurden entfernt. Unterbundener Putz in Rissbereichen mit Syton X 30, 10% in Wasser gefestigt. Riß- und Neukittungen mit zwei unterschiedlichen feinen Kalkmörtel ausgeführt.
- Retusche: Strichretusche mit Pigmenten; Tylose MH 300, Kalksinterwasser und Kalk als Bindemittel.
arrow Impressionen
Charakterköpfe
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Nonnen
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Puttenköpfe
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Allegorien
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Details
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